Freitag, 30. Dezember 2011

Tipp No.21

Wenn man Biokraftstoff tankt, kann man im Vergleich zu fossilen Kraftstoffen bis zu 40% der bei der Verbrennung entstehenden Treibhausgase einsparen!

Montag, 26. Dezember 2011

Tipp No.20

Spülmaschinen-Tabs sind alle einzeln verpackt und so fällt eine Menge unnötiger Plastikabfall an! Viel besser ist (biologisch abbaubares!) Spülmaschinenpulver in einer Großpackung.

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Tipp No.19

Bei einer gleichmäßigen und der Verkehrssituation angepassten Fahrweise verbraucht man weniger Kraftstoff als wenn man immer wieder schnell beschleunigt und abbremst, Außerdem lohnt es sich, auf der Autobahn nicht mehr als 100 km/h zu fahren, denn bei einer Geschwindigkeit über 100 km/h steigt der Kraftstoffverbrauch rasant an. Mehr Tipps zum Autofahren gibt es auf: http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3705.pdf

Sonntag, 18. Dezember 2011

Tipp No.18

Mit einer eigenen Solaranlage auf dem Dach kann man seinen eigenen Strom produzieren lassen. Das bietet eine gewisse Unabhängigkeit von Stromkonzernen. In erster Linie ist diese Methode aber hinsichtlich ihrer Strom- oder Wärmegewinnung absolut „sauber“: die CO2-Einsparung liegt bei Solaranlagen im Vergleich zu „grauem“ Strom bei ca. 650 kg CO2 pro 1000 kWh – ein Zwei-Personen-Haushalt kann folglich in einem Jahr zwischen einer und eineinhalb Tonnen CO2 einsparen!
Unter http://www.aachen.de/DE/stadt_buerger/umwelt/energie/solarkataster/index.html gibt es eine umfangreiche Zusammenstellung von Informationen für Hausbesitzer – vom Thema Kosten und möglicher Vergütung einer Photovoltaikanlage bis hin zu Förderungsmöglichkeiten (z.B. von der STAWAG, vom BAFA oder vom Land NRW).

Freitag, 25. November 2011

CO ist gut gegen Stress: Stadtbewohner sind dauernd leicht narkotisiert

Mal was zu den positiven Effekten des Autoverkehrs: Durch den hohen CO-Gehalt in der Stadtluft sind Stadtbewohner dauernd leicht narkotisiert und können so den Stress, den das Stadtleben verursacht, besser vertragen, meint Prof. Itzhak Schnell von der Tel Aviv University's Department of Geography and the Human Environment. EINJAHRFÜRDIEEWIGKEIT liegt am Boden vor Lachen und dankt Hermann Josef Pilgram für den Hinweis.



Donnerstag, 10. November 2011

Deutschlandfunk Corso über "Ein Jahr für die Ewigkeit"

Druckversion: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/corso/1601508/

Hörbeitragh: http://www.dradio.de/aodflash/player.php?station=1&stream=1&/
- den Beitrag um 15:18 anklicken.

Sexy Gäste im Ewigkeitsbüro IV, oder: Kein Grund für Optimismus

Spannende Gäste diesmal im  Ewigkeits-Büro:

Klaus Meiners, der Abteilungsleiter Immissionsschutz und stellvertretender Fachbereichsleiter Umwelt der Stadt Aachen, besuchte uns gemeinsam mit seiner Kollegin Astrid von Reis, Umweltpädagogin des Fachbereichs Umwelt.

von rechts: Klaus Meiners, Astrid von Reis, Anke Stöppel, Hermann Josef Pilgram
alle Fotos: Kolja Malik

Beide sind seit mehr als 20 Jahren mit Klimaschutz bzw. Umweltpädagogik in Aachen befasst, und sie berichten übereinstimmend, wie sehr sich ihr Tätigkeitsfeld in zwei Dekaden verändert habe: Vom einstigen Nischenthema hin zum absoluten Mainstream - nie hätte er für möglich gehalten, berichtet Klaus Meiners aus seinen Anfangsjahren, dass eine Energiewende derart schnell energiewirtschaftliche und politische Realität werden könne. Inzwischen sei Umwelt- und Klimaschutz ein wichtiges Thema der Volkswirtschaft geworden und längst in alle Facetten des Wirtschaftens hineingewachsen. 

Grund zu Optimismus ist das aber nicht, wie wir schnell lernen, denn Klaus Meiners holt, ganz in unserem Sinne, gleich zu Beginn des Ewigkeitsbüros zu einem beeindruckenden Rundumschlag gegen den Lebensstil aus, der uns schon am nächsten Tag von den Besuchern der Kostprobe als leider nicht veränderbar präsentiert werden wird. 


Wir alle wüssten, sagt Meiners also aus, dass wir deutlich über unsere Verhältnisse leben: Zwei Tonnen CO2-Ausstoß dürften wir pro Jahr und Nase verursachen, damit wir ein Level erreichen, das die Erde regenerieren könnte. 1990 hätten wir in Aachen noch rund 10 Tonnen verursacht, heute seien es immer noch 8,5. Das sei zwar eine erfreuliche Verbesserung, aber natürlich bei weitem noch nicht genug. (Zum Vergleich: Bundesweit liegen wir immer noch bei rund 10 Tonnen, Aachen steht also nicht so schlecht da; allerdings fließen in diese Zahl auch ländliche Regionen ein, die natürlich ganz andere Bedingungen haben).
Wir finden es erfrischend, endlich mal jemanden zu finden, der klar sagt: So geht es nicht! 
Und uns nicht kommt mit den 4 großen Leiders, diesen Billigausreden, die wir langsam nicht mehr hören können:

 (Fortsetzung des Berichts über das Ewigkeitsbüro IV hier). 

Sexy Gäste im Ewigkeitsbüro IV: Die vier großen Leiders

Diese Billigausreden, die wir langsam nicht mehr hören können:

-          „Leider kann man ja wirklich nur mit dem Auto (zutreffende Ausrede unterstreichen: ) Glasflaschen transportieren / den Wocheneinkauf erledigen / zur Arbeit kommen / die Kinder zum Sportverein bringen / den Privatjet erreichen“
-          „Leider ist Bio nun wirklich zu teuer für (zutreffende Ausrede unterstreichen:)
Studenten / HartzIV- Empfänger / Rentner / Familien mit Kindern / Singles / Berufstätige / I-Phone-Besitzer“
-          „Leider ist es ja alles so schwierig, (zutreffende Ausrede unterstreichen:)
weil man ja gar nicht weiß, was man tun soll / weil ja gar nicht klar ist, ob überhaupt ein Klimawandel stattfindet / ob die Äpfel aus Neuseeland in Ordnung sind  / weil das alles so widersprüchlich ist / weil alles 2 Seiten hat und noch nicht alles perfekt ist.“
-          „Leider bringt es ja alles sowieso nichts, (zutreffende Ausrede unterstreichen:)
solange in Belgien noch die Atomkraftwerke laufen und wir jeden Augenblick in die Luft fliegen können / wir den Atom-Strom importieren, den wir selber abgeschaltet haben“


v.r.: Julia Brettschneider, Philipp Manuel Rothkopf, Gast
(Um fair zu sein: Solche Einwände kommen natürlich immer nur von Laien, die Experten sind sich ja längst alle einig, deshalb laden wir sie ja ein).


(Fortsetzung des Berichts über das Ewigkeitsbüro IV hier).

Ewigkeitsbüro IV: Individuelle Handlungen und strukturelle Veränderungen

Das zentrale und teils hitzig diskutierte Thema dieses Ewigkeitsbüros war die Frage nach dem Sinn individuellen Handelns versus der Notwendigkeit zu strukturellen Veränderungen. Klaus Meiners vertrat dezidiert die Meinung, "mit guten Worten und gut Zureden allein funktioniert es nicht".


Einer der Teilnehmer des Ewigkeitsbüros, Hermann Josef Pilgram, sekundierte deutlich. - Großes Vertrauen in die Einsicht der Menschen weisen die Klimakämpfer der Stadt nach 20 und mehr Jahren des Abnutzungskrieges offenkundig nicht mehr auf.



Wir wollen natürlich trotzdem lieber an mündige Mitglieder einer Bürgergesellschaft glauben - oder zumindest annehmen, wenigstens unsere Zuschauer seien dies, jedenfalls nach dem Besuch von Ein Jahr für die Ewigkeit: Sie wissen schon, Theater als moralische Anstalt, Katharsis, ζον πολιτικόν undsoweiter. An dieser Stelle sei einmal kräftig mit Kant, Schiller und Aristoteles gewunken, und vielleicht können wir uns darauf einigen: Die Menschen in Aachen müssen entweder mit administrativen Maßnahmen oder mit Theaterbesuchen zu Verhaltensänderungen bewegt werden. Woraus sich unsere Forderung ableitet: Theaterkarten für Alle!

Hermann Josef Pilgram betonte, es reiche eben nicht aus, die Vernunft anzusprechen, man müsse die Menschen auch emotional erreichen. Erst, wenn die Solaranalage auf dem Dach ein genauso schickes Thema werde wie das Auto, das man fahre, werde sich das Verhalten ändern. Wir nennen das: Klima ist cool, und: Wir müssen sexy bleiben.

(Fortsetzung des Berichts über das Ewigkeitsbüro IV hier).

Ewigkeitsbüro IV: Das Aachener Modell als die größte umweltbezogene kommunalpolitische Leistung in der Bundesrepublik

Ein eindrucksvolles und (im Zusammenhang mit unserem kleinen Selbstversuch) Mut machendes Beispiel für die Möglichkeit, aus kleinen Schritten intelligente Strukturen zu schaffen, die dann tatsächlich die Welt verändern, nennt Klaus Meiners im Anschluss: 1994 habe Aachen als weltweit erste Stadt beschlossen, Solarenergie so lange zu fördern, bis sie marktreif und so billig ist, dass sie durchsetzungsfähig ist.Das strukturell Besondere an diesem Ansatz sei gewesen, dass alle  Aachener Bürger über ihre Stromrechnung für diese Idee mit gezahlt hätten und die Politik sich deutlich dazu bekannte, das dem Bürger auch zuzumuten.  

v.l.: Hermann Josef Pilgram, Anke Stöppel, Astrid von Reis, Klaus Meiners


Und aus dieser kommunalen Initiative Aachens (Aachener Modell) sei innerhalb von 5 Jahren ein Bundesgesetz zur Förderung der Solarenergie geworden, mit dem Ergebnis, dass heute die installierte Leistung der Anlagen in Aachen nicht mehr wie 1991 bei nur 11 Kilowatt liege, sondern bei rund 6000 Kilowatt, und global die Weltjahresproduktion von etwa 40.000 Kilowatt auf heute ungefähr 20 Million Kilowatt angestiegen sei. Meiners nennt dies die „im Umweltbereich größte kommunalpolitische Leistung überhaupt“, die hervorgegangen sei aus einer Bürgerinitiative, durchgesetzt mit nur 5 Ratsbeschlüssen der Stadt Aachen. Und er schlägt vor, den Initiatoren ein Denkmal in der Stadt zu setzen, denn damals haben sie als Spinner gegolten – heute haben wir, dank dieser Initiative, bundesweit einen Anteil von rund 20% Wind- und Solarstrom. 

Um es deutlich zu sagen: Merkels Atomwende wäre ohne diese Initiative der Stadt Aachen gar nicht denkbar gewesen.

Aachen hat sich damit weltweit einen Namen gemacht; wie sehr, lässt sich daran ablesen, dass Aachen 1997 als weltweit einzige Stadt zur Unterzeichnung des Kyoto-Protokoll eingeladen wurde;  bis heute hätten sich mehr als 100 internationale Delegationen anderer Städte die Aachener Strukturen angeschaut.

Wie stark die Stadt Aachen gerade bei den praktischen Aspekten des Umweltschutzes Pionierarbeit geleistet habe, betont auch Astrid von Reis: Die bundesweit erste Waldpädagogin überhaupt hätte hier vor mittlerweile 26 Jahren ihre Tätigkeit aufgenommen. Aachen war 10 Jahre lang „Ökologische Stadt der Zukunft“, mit vielen vorbildhaften Projekten. So hätte es bereits seit 1998 hier AbfallberaterInnen gegeben. Daraus seien Konzepte für Bürgerberatung entwickelt und in der Form, wie wir sie heute in vielen Städten kennen, mit aufgebaut worden. 


(Fortsetzung des Berichtes vom Ewigkeitsbüro IV hier).

Ewigkeitsbüro IV: Mangelndes Marketing der Stadt Aachen

Man hätte also allen Grund, in Aachen stolz zu sein auf die Pionierleistungen der Stadt. Wir schlagen für das Stadtmarketing vor, künftig von der "Klimastadt Aachen" zu sprechen. 

Aber im öffentlichen Bewusstsein spielen diese beachtlichen Leistungen so gut wie keine Rolle. Pilgram moniert, dass zwar viel passiere, aber es viel zu wenig Marketing gebe, Meiners stimmt zu, dass in der Außendarstellung mehr passieren könnte, gerade hinsichtlich solcher Programme wie Aachen 2020, die die Grundlagen der Stadtentwicklung in Aachen betreffen und zentral sind für die zukünftige Lebensqualität in der Stadt.

v.l.: Friederike Augustin, Harald Wolff, Daniela Neubauer, Hermann Josef Pilgram, Anke Stöppel

Unsere Umfrage unter den Theaterfestbesuchern bestätigt diese Einschätzungen:  Das Wissen um die Klimaschutzaktivitäten der Stadt Aachen ist erschütternd. Nur 10 Leute konnten überhaupt was dazu sagen, fünf davon nannten falsche Dinge wie Greenpeace-Gruppen (die es ja gibt, die aber militant werden können, wenn man sie der städtischen Administration zuordnet), der Rest redete vom öffentlichen Nahverkehr.
Entsprechend fühlte sich nur einer der Befragten über die Klimaprojekte der Stadt Aachen ausreichend informiert, und zwar, wie er meinte, " durch das Fernsehen". Nunja.

Das mangelnde Wissen hinderte die Aachener übrigens nicht, uns mit Vorschlägen zuzuschmeißen, was alles getan werden müsse: besonders die autofreie Innenstadt scheint vielen die ultima ratio klimarettender Maßnahmen zu sein, ebenfalls häufig wurde aber auch der Ausbau der Fahrradwege in der Stadt sowie günstigere Preise für den ÖPNV gefordert. Infrastrukturmaßnahmen erscheinen den Aachener Bürgerinnen und Bürgern also die dringendsten Aufgaben zu sein.

(Einer schlug allerdings auch allen Ernstes vor, man solle mit Recyclingpapier das Klima retten. Mujahe. Und das, obwohl keine Frage so hohe Werte provozierte wie die Frage, "Wie stark auf einer Skala von 1 bis 10 werden ihre Kinder und Enkelkinder in 25 Jahren durch Umweltprobleme in Aachen belastet sein?" -  die Frage erzielte fast durchgängig Höchstwerte von 8 bis 10. Angesichts einer solchen  Zukunft kann man schon mal in Recyclingpapier investieren, finden wir auch.)

Tatsächlich tut sich in der öffentlichen Darstellung der Umweltaktivitäten der Stadt aber Einiges. Wir selbst finden alle Informationen, die wir suchten, immer schnell auf den entsprechenden Seiten. Es scheint sich hier eher um eine Frage des Informationswillens als um eine der Informationspolitik zu handeln. Auch Astrid von Reis betonte, dass gerade im Bereich Internet der Auftritt der Stadt täglich besser werde.
Und auch der Besuch im Ewigkeitsbüro ist ja ein Tropfen auf den heißen Stein der öffentlichen Wahrnehmung. Wir bemühen uns, beim Spritzen zu helfen.

(Fortsetzung des Berichts über das Ewigkeitsbüro IV hier.)

Ewigkeitsbüro IV: Klimaschutzaktivitäten der Stadt Aachen

Klaus Meiners hat ausführlich von den tatsächlichen Maßnahmen der Stadt Aachen berichtet und siehe da: Öffentliche Maßnahmen und Bürgerforderungen decken sich. Im Wesentlichen ging es darum, Strukturen zu schaffen, um den Umstieg aufs Fahrrad zu erleichtern. Da seien in den letzten zwei Jahren wichtige Entscheidungen gefallen, z.B. im  Boxgraben, außerdem werde der Alleenring komplett mit Fahrradwegen versehen, die Radspur rund um den Grabenring wird in den nächsten 2 Wochen geschlossen (bis auf den Shared Space, der dann aber ja auch fahrradfreundlich ist).


Es gibt einen großen Boom der Elektrofahrräder in Aachen, und man kann davon ausgehen, dass der noch weiter gehen wird. Aachen hat ohnehin die niedrigste Pro-Kopf-Autozahl aller Städte in NRW, hier sind insgesamt nur 103.000 Autos gemeldet. Sozial- und Jobtickets erweisen sich als erfolgreiche Maßnahmen, die Bürgerinnen und Bürger zum Umstieg auf den ÖPNV zu bewegen.

Eine weitere wichtige und unter Klimaschutzaspekten enorm erfolgreiche Maßnahme war die faktische Abschaffung kostenfreien Parkraums in der Stadt: In dem Moment, zu dem die Uniparkplätze auch abends kostenpflichtig wurden, hat sich die Anzahl der Dauerticketnutzer für den ÖPNV von einen Tag auf den anderen um 700 (!) erhöht. Ähnliches sei für das Klinikum geplant. 


(Fortsetzung des Berichtes über das Ewigkeitsbüro IV hier.)

Ewigkeitsbüro IV: „Lieber gut leben als viel haben“ versus „Für alle reicht es nicht“

Allerdings sind diese Erfolge natürlich alles andere als populär, weshalb sie sich für öffentliche Feiern ebenso wenig anbieten wie unser kurioser Erfolg, dass der Kaffee bei denn´s aufgrund unserer Initiative bundesweit 50 Cent teurer geworden ist. 

Denn hier kommen wir zum zentralen Problem von Klimaaktivitäten: ohne Verzicht geht es nicht – ein Reizthema, das auch hier zu hitzigen Diskussionen führte.

Astrid von Reis plädierte vehement dafür, von Lebensqualität zu sprechen, statt von Verzicht, sonst habe man keine Chance, etwas zu erreichen. Sie gab das Motto aus: Lieber gut leben als viel haben.

Hermann Josef Pilgram widersprach sehr dezidiert: Klimaschutz bedeute Verzicht, um man käme nicht darum herum, das den Leuten auch zu sagen. Er bemühte dann den Club of Rome und Dennis Meadow: Die Grenzen des Wachstums seien überschritten, und wenn wir auf die gesamte Weltbevölkerung hochrechneten, worauf wir alles nicht verzichten, kämen wir unweigerlich zu der Erkenntnis: für 7 Milliarden Menschen reicht es nicht.
Klaus Meiners war ebenfalls sehr skeptisch, weil die Akzeptanz von Maßnahmen eine sehr sensible Frage sei: Alle seien für Solarenergie und Windkraft, aber niemand wolle seinen Kühlschrank ausmachen (wir werfen ein: außer Philipp und Kolja), und niemand wolle immobil sein (außer Daniela).



Während ich dazu neige, viele Ergebnisse des Selbstversuches bisher eher als Bereicherung zu sehen, und dieser Begriff häufig viel, bestätigt Julia dezidiert Herrn Pilgram: „Natürlich bedeutet das Verzicht!“, und damit müsse man die Leute auch konfrontieren Das sei aber eine Entscheidung: "Für mich ist das Lebensqualität", Bio-Lebensmittel zu kaufen, denn die Vorstellung, dass auf konventionelle Nahrung Gift drauf gesprüht sei, führe dazu, dass sie sie schlicht nicht kaufen wolle.

Klaus Meiners betonte, dass der Wandel sowieso auf uns zukomme. Bisher schaffe man es zwar noch, es auszublenden, aber den jetzigen Wohlstandsbegriff werden wir ändern müssen. Aber qualitativ würde das zu einer sozialeren Gesellschaft führen. 


Wenn Nahrungsmittel ihre tatsächlichen Kosten im Preis abbilden würden, haben sich viele Scheindiskussionen ohnehin erledigt. Der Weg führe weg von der hochsubventionierten, schädlichen Landwirtschaftsindustrie, die mehr schädige als jede andere Industrie, einschließlich der Autoindustrie, führt Klaus Meiners aus. Man müsse dahin kommen, dass der Begriff „Bio“ unsinnig werde, weil alles „bio“ sein müsse (was man ja eigentlich wünschen würde für das Zeug, was man isst). Das können nur über EU-Normen gehen, die zwingen, nachhaltig zu wirtschaften, statt Böden zu zerstören und Gewässer zu belasten.

Während in Umfragen alle betonten, sie seine für eine bessere Lebensqualität und ein gutes Leben, sei kaum jemand bereit, dafür auch etwas zu investieren. Unsere Umfrage bestätigt das: obwohl über 90 % der von uns Befragten der Meinung waren, das größte Klimaproblem sei das Auto, und obwohl noch mehr angaben, zu einschneidenden Veränderungen bereit zu sein, um das Klima zu retten, war die häufigste Antwort auf die Frage, worauf sie keinesfalls bereit seien zu verzichten, um das Klima zu retten: „Mein Auto“.

Astrid von Reis betonte deshalb die Notwendigkeit, durch Umwelterziehung ein Bewusstsein zu schaffen, indem etwa Projekte wie die Multivision Fair Future nach Aachen geholt werden. Dabei ist ihr Ansatz, bereits in Kindergärten und Schulen aktiv zu werden; allerdings könne man mit einem jährlichen Etat von 10.000 Euro für Umweltpädagogik und Umweltinformation nicht viel reißen.
Wir finden die Zahl erschreckend und fragen uns, wie eine vernünftige Öffentlichkeitsarbeit mit einem solchen Etat gehen soll.


(Fortsetzung des Berichts vom Ewigkeitsbüro IV hier.)

Ewigkeitsbüro IV: Strukturelle Visionen für die Zukunft

Es kommt aber auch auf Visionen an, die Strukturen verändern: Klaus Meiners entwirft das Szenario einer differenzierten Grundsteuer, wo die Hälfte des Hebesatzes künftig umweltbezogen festgesetzt würde. Und er schlägt einen Ansatz vor, der einen Aufruhr auslösen würde, die jede Bundesregierung schneller aus dem Amt fegen würde, als Unwetter Italien fluten können – obwohl er in seiner Wirksamkeit ebenso wenig von der Hand gewiesen werden kann wie er in seiner Notwendigkeit offensichtlich ist: Meiners schlägt vor, die Mineralölsteuer auch für Heizöl einzuführen – die Leute würden dann „dämmen wie die Blöden“. Erinnert man sich an die Ausführungen von Hans-Jürgen Serwe, dass das größte private Klimaschutzkapital im Moment bei der Hausdämmung liege und das die zentrale Zukunftsaufgabe sei, kann man den Vorschlag nur begrüßen. 


(Fortsetzung des Berichtes über das Ewigkeitsbüro IV hier.)

Ewigkeitsbüro IV: Die Welt im Arsch, aber und geht´s gold

Strukturwandel alleine reicht aber nicht. Unsere Umfrage hatte ergeben, dass die Umweltprobleme für umso gravierender gehalten werden, je weiter weg sie sind. Während fast alle Befragten die weltweiten Umweltprobleme als sehr gravierend einstuften, hielten die meisten sie in  Deutschland für noch vertretbar, und in Aachen für quasi inexistent. Meine These ist, das darin der Grund für die kognitive  Dissonanz ("Denn sie tun nicht, was sie wissen") liegt.  Klaus Meiners stimmt dem zu: Während alle wüssten, dass wir über unsere Verhältnisse leben, scheint auf der örtlichen Ebene und im persönliche Umfeld alles in Ordnung. Dass das alles auf Kosten dritter geschehe - noch so ein schönes, klares Wort - denn solange hier die Luft gut und die Stadt sauber sei, würden wir nicht über den Tellerrand schauen, und sei es nur bis zum abgesoffenen Dresden, oder bis in den Schwarzwald. 





Wir brauchen neben dem Strukturwandel also auch einen Kulturwandel. Daran mitzuarbeiten, ist unsere Aufgabe.


(Fortsetzung des Berichts vom Ewigkeitsbüro IV hier.)

Ewigkeitsbüro IV: Und was tut eigentlich das Theater? - Strukturen und Visionen

Unsere Frage nach den Möglichkeiten des Theaters führte zu amüsierten Beobachtungen zum Zustand des Gebäudes: Das Mörgens-Café selbst wird durch die Rohre unfreiwillig und zu hoch dauerbeheizt, insgesamt sei der Energieverbrauch durch den Zustand des Gebäudes und nicht gedämmt Leitungen viel zu hoch. Auch die Kammerspiele seien im Sommer zu warm, und im Winter zu kalt, dabei gäbe es längst intelligente Anlagen, die das regeln könnten – wir versuchen, die anwesenden Vertreter des Rates natürlich sofort zu verpflichten, sich für eine Investition in diese Richtung einzusetzen. 





Jenseits des Gebäudemanagements wies Hermann Josef Pilgram darauf hin, dass der Energieverbrauch des Theaters nicht als einzelne Position im Wirtschaftsplan des Theaters auftauche, von außen also gar nicht überprüfbar sei.

Klaus Meiners beklagt, dass die Einführung des Jobtickets im Theater gescheitert sei, weil es trotz erheblicher Quersubvention nicht stimmig gewesen wäre (die Begründung lief damals im Kern darauf hinaus, dass Celli und Harfen gar nicht so leicht in Bussen zu transportieren seien; andererseits: Geigen schon, und davon haben wir ja ein paar mehr). Allerdings hätten die Fahrradabstellanlagen bereits viel bewirkt. Julia merkt an, dass da aber noch Luft nach oben sei.

Einer der Gäste, Norbert, beklagt, dass die AVV-Aktion abgeschafft worden sei, wo Theatertickets gleichzeitig für den öffentlichen Nahverkehr gegolten haben. Hermann Josef Pilgram wies darauf hin, dass das einfach Kosten gewesen seien, die dem Theater entstanden seien, und die es einfach nicht mehr tragen könne.
Klaus Meiners entwirft daraufhin ein Förderszenario, dass auf Bundesmitteln aufbaut und dem er gute Chancen einräumt. So würde dann aus dem Ewigkeits-Büro eine konkrete und zuschauerwirksame Klimaschutzmaßnahme erwachsen, die jenseits des privat abgeschalteten Kühlschranks in einem strukturell viel größeren Rahmen wirksam wäre und einen ganz anderen Effekt erzielte. Wir werden das verfolgen, sobald wir es geschafft haben, das Theater mit Öko-Strom zu versorgen.

Astrid von Reis weist aber auch auf weitere mögliche kleine Schritte hin: Schon die Abschaffung einer einzigen der Abfall-Tonnen, die bei uns im Hof stünden, bedeutete eine CO2-Einsparung von 68 kg im Jahr. Wir überlegen, als Theater am Ökoprofit-Programm teilzunehmen. Wir werden auch das verfolgen. Hermann Josef Pilgrim entwirft das Szenario einer „Grünen Konzession“ für Theater, ähnlich wie es das für Veranstaltungszentren gebe. Möglicherweise könnte das Theater Aachen dafür „Musterbetrieb“ werden.

Wir haben die Chance, eine Expertin für die kleinen Schritte zu befragen, natürlich gleich genutzt und nach dem richtigen Recycling-Papier gefragt, denn wir werden mit Beschwerden überhäuft, seit wir den Betrieb umgestellt haben, dass nun dauernd Papierstaus am Kopierer entstünden. Daniela hatte das zunächst ja nicht geglaubt ("Die gab´s hier schon immer ständig!"), nach ihren jüngsten eigenen Versuchen hat sie aber zugestanden, dass unsere Verwaltung recht hat. Astrid von Reis hat uns das ultimative Papier empfohlen, wir werden es testen, und berichten. Frau von Reis hat auch gleich darauf hingewiesen, dass bei der Produktion bzw. beim Einsatz von Recyclingpapier 20% weniger CO2 emittiert werden als bei der Produktion bzw. dem Einsatz von Frischfaserpapier, was viele nicht wüssten.


(Fortsetzung des Berichtes über das Ewigkeitsbüro IV hier.)

Ewigkeitsbüro IV: Die Ausweitung des Selbstversuches: Ein Theater für die Ewigkeit

Das Ewigkeitsbüro entwickelt sich zum ThinkTank für konkrete Klimaschutzmaßnahmen, das gefällt mir. Wir werden sehen, wie und was sich davon umsetzen lässt, denn wir gelangen inzwischen deutlich in Regionen, wo es Einzelaktionen beispielsweise eines Dramaturgen überschreitet und statt dessen zu größeren, dann aber strukturell wirksamen Programme kommt, die von der Theater-Verwaltung aufgenommen werden müssen. Das bedeutete eine Ausweitung des Selbstversuches weit über das Projekt „Ein Jahr für die Ewigkeit“ hinaus auf das ganze Theater. Ein Theater für die Ewigkeit, sozusagen. Wir werden sehen.


Dienstag, 8. November 2011

Wirklich CO2-frei? - Unser Gesamt-Energieverbrauch

Sind wir wirklich CO2-frei?

Nicht ganz, aber verdammt nah dran.

Unser Theaterabend verbraucht pro Aufführung 3,5 kW/h.
Zum Vergleich: Eine normale Mörgens-Produktion verbraucht rund 25 kW/h.

Von den 3,5, kW/h verbraucht das Einlaßlicht alleine 2,4 kW/h, der eigentliche Theaterabend verbraucht nur knapp 1,2 kW/h. Das ist ein sensationeller Wert.

Und das heißt: Wir müssen das Einlaßlicht ändern. Weg von den Flutern, hin zu den Neonröhren.

Die verbleibenden 1,2 kW/h werden komplett aus Öko-Strom bezogen, sie sind also selbst CO2-neutral.

Wenn die Zuschauer zudem die Pflanzen, die wir ihnen mitgeben, einpflanzen, würde aber selbst das kompensiert, wenn man die Zurechnung zum Öko-Strom nicht einbezöge.

Heute auf WDR Lokalzeit: Bericht über EIn Jahr für die Ewigkeit

19.30, hier
http://www.wdr.de/programmvorschau/programDateDateKeyword.jsp

Mülltrennung beim Frühstück

Wie versorg ich meine Überreste mit ökologisch weißer Weste? Und wie ist das eigentlich mit dem Teebeutel? Maybebop wissen Bescheid.

Freitag, 4. November 2011

Tipp des Tages No.17

Von nun an gilt das Argument, man müsse mit dem Auto einkaufen fahren, weil man sonst die Einkäufe nicht transportieren könne, nicht mehr. Denn: In Fahrradtaschen und einen Fahrradkorb passt eine Menge hinein und wenn man zu zweit einkaufen geht, dann sogar gleich das Doppelte!

Donnerstag, 3. November 2011

Sexy sein bei der Kostprobe, und: An Gummersbach glauben!

Zwei KlimaexpertInnen unterschiedlicher Generation: Zuschauerin, Philipp Manuel Rothkopf
Alle Fotos: Kolja Malik

Heute gab´s die erste öffentliche Probe des Theaterstücks, mit beeindruckender Zuschauerresonanz. Spannend und beunruhigend der Generation-Gap: Während die älteste Zuschauerin beanspruchte, das sei zwar alles sehr beeindruckend und szenisch toll umgesetzt, aber leider hätte sie nichts Neues gehört, haben die Studenten darauf hingewiesen, dass gerade in ihrer Generation weder Bewusstsein für die Themen noch Einsicht in Handlungsnotwendigkeiten verbreitet seien - wir sind angemessen entsetzt. 
Allerdings widerspricht diese Behauptung den Erkenntnissen aus unserer Umfrage, nach der gerade umgekehrt die Älteren deutlich entspannter mit dem Thema umgehen, während die Dringlichkeit um so höher bewertet wurde, je jünger die Befragten waren. Wie auch immer: Es gibt viel zu tun.

Klimaexperten bei der Arbeit: Daniela Neubauer (oben, blond), Harald Wolff (rechts, halb)

Und was "nichts Neues" angeht: Wir haben Ausschnitte aus dem Beginn des Stückes gezeigt, das die Entwicklung von Moritz vom Aldi-Adeptem zum Öko-Faschisten zeigt, und ich kann versichern, dass wir im späteren Teil des Abends weiter abdrehen, und dort garantiert ein paar verschissene Dinge passieren, die die Zuschauerin noch nicht kennt oder versucht hat. Man darf gespannt sein!

Zuverlässig wie immer kam der Einwand, so könne man aber als Student nicht leben, weil das zu teuer sei, und (dies eine neue Drehung in der Argumentation) in Gummersbach (!) könne man auch wirklich nicht aufs Auto verzichten. - Immerhin waren unter den Zuschauern sämtliche Maschinenbaustudenten, die derzeit in der Stadt studieren, und sie beschäftigen sich mit der Konstruktion umweltfreundlicher Autos. (Mit Autofahren gegen den Klimawandel - eine grandiose Idee, die in Aachen sehr beliebt ist, wenn man unserer Umfrage glauben darf.)

Aber so kann man uns schon lange nicht mehr kommen: Unsere dreiste These, dass ökologisches Leben nicht teurer ist, sondern im Gegenteil sogar billiger sein kann, wenn man weiß, wie man das in Aachen tut, wurde anfangs zwar noch vehement in Frage gestellt, aber gnadenlos, wie wir sind, haben wir solange dagegen gehalten und von unseren Erfahrungen erzählt, bis sich keiner mehr getraut hat, zu widersprechen. Mancher ließ sich sogar tatsächlich überzeugen, war mein Eindruck.

Intensive Diskussion über den Selbstversuch
Probiert es selbst aus: Verzichtet auf Stadtfahrten mit dem Auto, und ihr spart locker 70 Euro im Monat, und dafür könnt ihr aber dreimal nur noch Biolebensmittel kaufen und habt immer noch Geld für einen Coffee-to-Stay, und, ich wiederhole es, es schmeckt dann auch viel besser als das Zeug, das Ihr bisher esst.

Im Bildhintergrund: Sämtliche Maschinenbaustudenten Aachens

Und, liebe Freunde in Gummersbach: Fahrt ruhig weiter Auto! Wenn Ihr dafür das mit dem Steak lasst, kommt ihr auf dieselbe CO2-Bilanz wie ein Fahrradfahrerin Aachen. Nur Mut, Gummersbacher, wir glauben an Euch!

Passen mussten wir bei der Frage nach der CO2-Bilanz von Tee. Aber das liefern wir nach, hier.

Tee trinken und Kostproben

Wir wurden bei der Kostprobe gefragt, wie die CO2-Bilanz von Tee aussieht und musste passen, bis auf den vagen Hinweis, dass sie besser ist als Kaffee, und haben versprochen, mehr Info nachzuliefern.

Hier nun die Fakten:
Laut Global Environmental Facility gehen 30 Prozent der in Indien anfallenden Produktionskosten für die Tee-Herstellung aufgrund des Energieverbrauchs drauf. Konkret werden 0.5 kWh für ein Kilogramm Tee verbraucht. Jedes Jahr werden weltweit rund 3.9 Millionen Tonnen Tee produziert, der auf über 2.8 Millionen Hektar Fläche angebaut wird. Britische Forscher haben herausgefunden, dass die CO2-Bilanz für eine Teetrinkende Kleinstadt bei 0.0035 Hektar (global) pro Kilogramm Tee liegt (Kaffee, zum Vergleich, hat einen um fast 30% höheren Flächenverbrauch).

Tee-Experten bei der Arbeit

Generell gilt, je mehr ein Getränk weiterverarbeitet wurde und je weiter es transportiert wurde, desto höher ist seine CO2-Bilanz. Somit sind lose Teeblätter defninitiv nachhaltiger als Teebeutel, und Kräutertees aus Deutschland liegen klar vor Schwarztee aus China.  Weitere Infos hier.

Die wahren CO2-Killer liegen eh in der Tasse: So verdoppelt (!) man die CO2-Bilanz, wenn man Kaffee "To Go" trinkt, statt aus einer Porzellantasse. Insofern: Klimaentwarnung für alle Teetrinker. Ähnlich ist das bei Tee: Viel entscheidender, als woher der Tee kommt, ist, dass Ihr nur soviel Wasser erhitzt, wie Ihr auch braucht, Verpackungmüll vermeidet, indem ihr keine Beutel kauft, und die verbrauchten Teeblätter in den Kompost gebt, statt in den Restmüll. Also: Weiter machen und genießen.

Tipp des Tages No.16

Eine Tasse Kaffee „produziert“ 60 Gramm CO2, ein Becher Coffee to go sogar 120 Gramm (das ist ein Volumen von 30 Litern, bzw. 60 Litern CO2!) Den Kaffee to go könnte man aber außerdem künftig auch in einen eigenen Kaffeebecher füllen lassen (Tipp: bei Starbucks gibt es manchmal Aktionstage, an denen man Rabatt bekommt, wenn man seinen eigenen Kaffeebecher mitbringt. Gibt es das auch noch in anderen Coffee Shops? Berichte uns!). Grundsätzlich sollte man also seinen Kaffeekonsum aus ökologischen und auch ethischen Gründen eher gering halten! Außerdem sollte man sich auch mal wieder vergegenwärtigen, dass Kaffee immer noch zu den Genussmitteln gehört und nicht unbedingt ein Grundnahrungsmittel sein sollte.

Mittwoch, 2. November 2011

Ewigkeitsbüro IV: Heiß bleiben ohne Kühlschrank

Philipp hat heute seinen Kühlschrank abgestellt und versucht, ohne durch den Winter zu kommen.

Verdammt sexy.

Aachener Klimaexperten im Ewigkeitsbüro

Am heutigen Mittwoch, dem 2. November kommen zwei ausgewiesene Experten des Fachbereichs Umwelt der Stadt Aachen ins Ewigkeitsbüro im Mörgens-Café ab 20.15: der Klimaschutzexperte Klaus Meiners (Abteilungsleiter Immissionsschutz) und Astrid von Reis (Umweltpädagogin).

Sie werden sich mit den Schauspielern Philipp Manuel Rothkopf und Julia Brettschneider über deren Selbstversuch austauschen und über die zahlreichen Umwelt- und Klimaschutz-Aktivitäten der Stadt Aachen berichten. Wir werden außerdem danach fragen, welche Maßnahmen eine Institution wie das Theater Aachen zum Klimaschutz ergreifen kann und erhoffen uns Experten-Tipps aus erster Hand.

Der Eintritt ist frei.
 
 

Tipp des Tages No.15

Im Urlaub campen zu gehen, ist klimafreundlicher als im Hotel zu schlafen, wo mindestens zwei Mal in der Woche die Bettwäsche und womöglich täglich die Handtücher gewechselt werden, um von dem scharfen Reinigungsmitteln gar nicht erst zu sprechen. Kurzum: Im Hotel lebt man im Überfluss, nämlich im Überfluss der Reinigungsvorgänge!

Man muss allerdings auch immer die andere Seite betrachten, denn: es gibt auch Campingplätze, die nicht umweltfreundlich sind – darüber sollte man sich vorher informieren. Auf www.ecocamping.net kann man Campingplätze in Deutschland , Österreich, Italien und der Schweiz suchen, die für ihr Umweltmanagement ausgezeichnet worden sind. Außerdem gibt es den Verband der Biohotels: www.biohotels.info.

Tipp: Für den Winter bieten sich als Alternative zum Hotel kleine Ferienwohnungen und Pensionen an.

Dienstag, 1. November 2011

Tipp des Tages No.14

Deo- und Haarspraydosen stoßen viel Feinstaub aus, der einerseits unsere Gesundheit belastet und andererseits in der Atmosphäre Wärme absorbiert und so für die globale Erwärmung mit verantwortlich ist. Es gibt aber Alternativen: es gibt Deostifte und Deozerstäuber (gibt es eigentlich von jedem Hersteller) und auch Haarsprayzerstäuber (zum Beispiel von alverde, bei dm).

Montag, 31. Oktober 2011

Tipp des Tages No.13

Wenn sich das Autofahren mal nicht vermeiden lässt, kann man ganz einfach eine Fahrgemeinschaft gründen. Für weitere Strecken gibt es www.mitfahrgelegenheit.de und für Pendler im Raum Aachen bietet sich das Pilotprojekt www.car2gether.com/ an.

Samstag, 29. Oktober 2011

Tipp der Woche

Sanierungsmaßnahmen am Haus können eine wichtige Investition für den Klimaschutz sein. Ein Fensteraustausch, eine Heizungserneuerung oder das Dämmen von Wänden kann dazu verhelfen, das Haus deutlich effizienter heizen zu können. Unter http://www.aachen.de/de/stadt_buerger/planen_bauen/themen/altbauplus/index.html gibt es viele Informationen zu Maßnahmen und Fördermöglichkeiten im Sanierungsbereich.

Interessant für Mieter ist auch die Tatsache, dass jeder Hauseigentümer dazu verpflichtet ist, einen Energieausweis für sein Haus zu besitzen und diesen jedem neuen Mieter vorzulegen. Als verantwortungsvoller Mieter könnte man sich aber auch zu späterem Zeitpunkt diesen Energieausweis noch einmal vorlegen lassen und mit dem Vermieter auf dieser Grundlage über mögliche Energiesparmaßnahmen sprechen

Freitag, 28. Oktober 2011

Bezahlbares Öko-Shampoo

Julia hat auf ein bezahlbares Öko-Shampoo hingewiesen, Anke Stöppel berichtet dankbar, dass es endlich eins sei, was 1. den Haaren gut tut und 2. trotzdem bezahlbar ist: Alverde von dm.

Link der Links: Der ultimative KonsumCheck

Daniela weist hin auf den Link, den wir immer gesucht haben. Endlich ein CO2-Rechner, mit dem man den Einkaufskorb wirklich Punkt für Punkt durchgegen kann und für jedes Nahrungsmittel einzeln die Bilanz ziehen kann. Einzelheiten und kompletter Konsumcheck hier.

Außerdem ist "Klima sucht Schutz", wo sich dieser Konsumcheck findet, das bisher umfassendste und beste Klimaschutzportal, das wir gefunden haben, und es ist auf direktes Handeln gerichtet. Also hin da! Und dann wieder hierherkommen und den neusten Bericht vom Ewigkeitsbüro lesen, denn: Klimawandel ist Kulturwandel, und das können nur wir!

Tipp des Tages No.12

Es ist kein großer Aufwand, bei Milch und Saft vom Tetrapack auf Glasflaschen umzusteigen! Damit spart man eine Menge Müll für den gelben Sack. Das gleiche gilt auch für Joghurt. Tipp: im Supermakrt und auch im Biosupermarkt wird es oft nach Milch und Joghurt schwer, noch weitere Milchprodukte im Glas zu finden. In Hofläden sind die meisten Produkte aber meist noch nicht abgepackt, sondern befinden sich noch in großen Aufbewahrungsbehältern im Kühlraum. Deshalb kann man sich meist problemlos seine eigene Schraubgläser mitbringen und sich die Schlagsahne, den Frischkäse und so weiter direkt hinein füllen lassen.

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Tipp des Tages No.11

Regionale Produkte haben nur einen kurzen Transportweg, das heißt weniger „Lebensmittelkilometer“ hinter sich. Wirklich regional einzukaufen geht Hand in Hand damit saisonal einzukaufen, denn die heimischen Anbieter können nun mal im Winter keine Erdbeeren herbeizaubern – das heißt: alle nicht-saisonalen Produkte müssen importiert werden, das wiederum bedeutet weite Transportwege, zum Teil Transportwege um die halbe Erdkugel. Einen Saisonkalender gibt es hier: http://www.verbraucherfuersklima.de/cps/rde/xchg/projektklima/hs.xsl/saisonkalender_obst_gemuese.htm

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Böses CO2

Mira hat uns auf das hier hingewiesen:



Der Mann hat recht.

Tipp des Tages No.10

Biomüll muss nicht in die Grüne Tonne oder gar in den Restmüll geworfen werden. Vielmehr lohnt es sich für diejenigen, die einen eigenen Garten haben, einen Komposthaufen anzulegen! Die Aachener Umweltpionierin Anke Stöppel hat dazu einen Bericht auf ihrem Blog veröffentlicht: http://klimaschutz-selbstversuch.de/?s=komposthaufen.

Eine Alternative ist eine Kompostierstelle, wie zum Beispiel die gabco Kompostierung GmbH in Aachen Brand: www.gabco.de wo man auch dauerhaft einen Grünabfall-Container mieten kann. Im selben Betrieb kann man dann wiederum Komposterde kaufen.

Dienstag, 25. Oktober 2011

Einkaufen und Spaß dabei

Also, ich gebe dir ein kleines Beispiel: Ein Kopfsalat beim Freilandanbau verursacht 140 g CO2-Emissionen pro Kilogramm. Der Kopfsalat im Gewächshaus erzeugt bei seiner Produktion mit 4450 g CO2 ungefähr die 30-fachen CO2-Emissionen. Bioprodukte, die ohne Mineraldünger, der mit viel Energie hergestellt wird, angebaut werden, reduzieren die CO2-Emissionen um circa 15 % im Vergleich zu konventionell angebauten Lebensmitteln. Tiefkühlprodukte verursachen durch das Einfrieren, die Tiefkühlkette und den Transport der Tiefkühlprodukte zum Supermarkt im Durchschnitt 2000 g CO2-Emissionen pro Kilogramm Lebensmittel.



(gestrichener Text aus "Ein Jahr für die Ewigkeit")

Klimawandel kurz und knapp

Wenn du was gegen Öl und Kohle tun willst: Wechsel deinen Stromanbieter, dreh die Heizung runter, kauf nichts aus China und lass dein Auto stehen. 


(Textausschnitt "Ein Jahr für die Ewigkeit". Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Wir bloggen trotzdem weiter)

mein neuer kühlschrank

begehbar mit sternenhimmel.

Tipp des Tages No.9

Per Hand Abwaschen verbraucht mehr Wasser als eine gefüllte Spülmaschine (am besten das Energiesparprogramm benutzen!). Wenn es sich jedoch nicht vermeiden lässt, dann sollte man wenigstens nicht unter fließendem Wasser abwaschen, sondern nur in einem halb (oder weniger) gefüllten Spülbecken.

Montag, 24. Oktober 2011

Tatsächlich CO2-frei

Unsere Veranstaltung wird tatsächlich CO2-frei sein: Sie wird komplett mit Öko-Strom betrieben. Das ist allerdings eine Frage der Zurechnung: Wir bleiben gemessen am Gesamtverbrauch des Hauses weit unter dem 25,7 % Anteil, den Öko-Strom im Energiemix der STAWAG ausmacht.

Schöner wärs natürlich, der Öko-Strom Anteil würde sich um unseren Verbrauch ERHÖHEN. Oder mehr.
Wir arbeiten dran.

Ewigkeitsbüro III: Sexy bleiben mit Abba, Häuserbauen gegen das Erkalten des Universums, und: Wer ist schon Sasha Waltz?


Die Studenten des Counter Entropy-Hauses der RWTH zu Gast im Ewigkeitsbüro

Das Schöne an unmöglichen Projekten ist ja, dass man damit scheitern muss , dabei aber jede Menge toller Fragen findet.



Heute war ein Studententeam der RWTH hier, Architekten, Bauingenieure, Maschinenbauer, Idealisten, die am Counter Entropy Haus arbeiten. Weil wir vom Theater sind, können wir gar nicht anders, als Begriffen auf den Grund zu gehen, und deshalb halte ich fest: Entropie ist das Ergebnis der stetigen  Abkühlung des Universums, Sie wissen schon, der zweite Hauptsatz der Thermodynamik, wegen des universalen Temperaturausgleichs wird alles immer kälter, bis alle Bewegung gestoppt ist. Am Endpunkt dieser fatalen Entwicklung steht dann tatsächlich ein energetisches Gleichgewicht der Natur (aber ob es dieses Gleichgewicht ist, von dem die Öko-Esoteriker immer sprechen, wage ich zu bezweifeln, denn bis zur Erlangung dieses Gleichgewichtes ist "die Natur" ja gerade ein hochdynamisches System. Wenn sie aber in dem Gleichgewicht ist, das alle immerzu zum Idealzustand verklären, ist sie, lasst es euch gesagt sein: tot. Und sehr, sehr kalt. Genaugenommen so kalt, wie sie überhaupt nur sein, nämlich bei  -273,15 ° Celsius, oder zumindest verdammt nah dran, siehe den Dritten Hauptsatz der Thermodynamik . So gesehen ist der Klimawandel vielleicht doch keine so schlechte Idee, denn er ist ja so etwas wie der empirische Gegenbeweis des zweiten Satzes der Thermodynamik. Demnach müsste man also eigentlich MEHR Kohle verbrennen, und schon wird das Universum wieder ein Stück wärmer. Mit Kohle gegen die Ewigkeit, sozusagen.)
"Counter Entropy" wäre dann jedenfalls der Versuch, das  allmähliche Erkalten des Universums aufzuhalten. Das ist so sympathisch, so größenwahnsinnig, so aussichtslos, dass man es unbedingt versuchen muss.

Wir haben da natürlich genauer nachgefragt, aber leider geht es dann doch nicht darum, mit Häusern die Erkaltung des Weltalls zu verhindern.

Schade, eigentlich. Es hätte so was Rührendes.

Ziel ist natürlich, bei Hausbau dem Entropieanteil der Energienutzung, d.h. der Wärme, die ungenutzt an die Umgebung abgegeben wird, entgegenzuwirken.

Häuser aus Abfall
Deshalb ist das Projekt tatsächlich hochspannend und eng mit unserem verwandt: Denn im Kern handelt es sich wie bei uns um einen Selbstversuch, in dessen Ergebnis der CO2-Ausstoß nach selbst auferlegten Regeln reduziert wird: Das Studententeam will für einen Architekturwettbewerb in Madrid ein klimaneutrales Haus bauen. Im Kern läuft der Wettbewerb darauf hinaus, dass alle Energie, die das Haus braucht, solar erzeugt wird.
Zusätzlich zu diesen bereits hohen Anforderungen stellen sich die Aachener CounterEntropisten aber zusätzlich selbst die Aufgabe, auch schon die Herstellung klimaneutral zu gestalten, und das ist das Innovative ihres Ansatzes - mit allen Schwierigkeiten, die das mit sich bringt. Diese Aufgabe  ist riesig, und das insgesamt 50köpfige Team stößt allerorten an Grenzen, an die des Baurechts ebenso wie die des Teambuildings.

Das Spannende ist, dass sie bei ihrem  Versuch, ein klimaneutrales Haus zu entwerfen, dieselben Fragen und dieselben strukturellen Probleme haben wie wir.

Die Grundidee der CounterEntropisten war, ein Haus aus Abfallprodukten zu bauen, bei dem die Werkstoffe so zusammengebaut werden, dass sie am Nutzungsende des Hauses wieder komplett lösbar sind - so dass der Abfall am Ende wieder Abfall wird, aber nicht zu Sondermüll verleimt wird, wie es sonst bei Abfall-Recycling üblich ist. Und auch beim Hausbau: etwa bei Brettschicht-Häusern, die als ökologisch gelten, in Wirklichkeit  aber als Sondermüll enden, weil die Verbundbaustoffe nicht mehr zerlegbar sind. 

Die Grundfrage, vor der die CounterEntropisten stehen, ist wie bei uns: Wie weit wollen wir gehen? Denn wie bei uns am radikalen Ende  des Gedankens die Obdachlosigkeit als Idealform klimaneutralen Lebens steht, wäre das perfekte counterentropische Haus das Laubdach im Wald. Und tatsächlich diskutiert das Team kontrovers die Frage, ob man dem fertigen Haus ansehen soll, dass es aus Müll gebaut wurde, oder ob es nicht doch eher wie ein schicker Yuppie-Traum wirkt, dem man die recycelten Materialen nicht mehr ansieht.
Und wie wir haben sie anfangs umfangreiche Klimabilanzen aufgestellt, bis hin zur Berechnung, wieviel Lampen bei  den Projekttreffen wie lange leuchten , wessen Computer wie lange lief und was das für die CO2-Bilanz bedeutet - all das sollte mit eingerechnet werden.

Die praktischen Probleme killen den Idealansatz wie bei uns: Hätten sie das tatsächlich alles mit einfließen lassen, hätten sie sich aus dem Wettbewerb geschossen. (Wir dagegen wissen seit heute, dass wir tatsächlich CO2-frei sein werden. Siehe hier.)

Utopisten und das Öko-Prekariat
Philipp weist auf die strukturellen Gruppenähnlichkeiten hin: Bei den CounterEntropisten wie bei uns bilden sich die Frontlinien im Team zwischen Pragmatikern und  Idealisten, zwischen Realisten und Utopisten, zwischen den Intellektuellen und dem Prekariat. Wobei das Prekariat bei uns inzwischen dabei ist, den Kühlschrank abzuschaffen, aber dazu später.


Und auch die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Unterfangens stellt sich auf radikale Weise: Einer der Architekturstudenten, berichtet von einer Case-Study, die in Studentenwohnheimen durchgeführt wurde mit dem Ergebnis, dass nicht der Bau, sondern das Verhalten der Bewohner das Klimaproblem sei: Selbst wenn eine Studentensiedlung Energie-autark gebaut würde, wären die Bewohner so verschwenderisch im Umgang mit den Ressourcen, dass der Spareffekt, den die Bauweise erzielen könne, nicht mehr ins Gewicht fiele.

Philipp schlägt eine Arbeitsteilung vor: die CounterEntropisten seien für die Häuser zuständig, und wir für die Verhaltensänderungen. Dabei grenzt er sich gegen diejenigen aus unserem Team ab, die gleich eine komplette Weltrevolution anstreben: Ihm würde es völlig reichen , wenn  4-5 Leute nach dem Theaterabend kämen und sagten, ihr  Verhalten habe sich verändert in ein oder zwei Punkten - dann habe er etwas erreicht.

Mit ABBA gegen den Klimawandel, und: Eine neue Form des Containerns
Von der Schlammhütte bis zum Hochglanzprojekt reichen die Entwürfe des Hauses, mit verschiedensten Materialen wurde probiert, und wie bei uns ändert sich das Projekt permanent und immer wieder stehen Grundsatzentscheidungen in Frage.
Das fängt bei den Materialien an. Gesucht wurde ein Material, auf das sich alle einigen konnten. Das Problem dabei ist, dass das Baurecht die Verwendung von alternative Materialien systematisch ausschließt: Die ursprüngliche Idee, Zeitungsrollenkerne aus Pappen für die Träger zu verwenden, ließ sich nicht realisieren, weil "kein Statiker der Welt das abnehmen würde". Aber auch ästhetische Gründe spielen eine Rolle:  ausgediente Computertastaturen schieden aus, denn: "Das sah einfach Scheiße aus." Schallplatten waren zu dunkel, und außerdem hat niemand aus der Studentengeneration mehr Schallplatten.

Statt dessen also jetzt CDs: Im Moment ist der Stand, dass die Fassade aus alten CDs gebaut werden soll, die man aber nicht mehr als CDs erkennen wird. Der Denn jeder Student habe Massen davon rumliegen , benutze sie aber nicht mehr , weil jetzt alles über MP3-Player laufe, und die Rohlinge eigentlich nur noch weggeschmissen werden können.
Philipp hakt schlau ein, ob denn dafür neue CD-Rohlinge gekauft würden, aber so kann man den CounterEntropisten natürlich auch nicht kommen: Gerade heute hätten sie einen Aufruf an alle Studenten der RWTH gestartet, ihre alten CDs mitzubringen.
Unsere Expertin für fast alles, Anke Stöppel, verweist sofort auf die CD-Sammelstelle der VHS am Bushof hin, gibt außerdem Tipps, wie man selbst Sammelstellen einrichten kann und reicht auch gleich den Link nach, der weitere Tipps zum Einrichten solcherStellen gibt. 
Daniela verweist auf den Theater-Container für CDs, und damit haben wir gerade eine neue Variante des Containerns erfunden: Äpfel waren gestern, heute klaubt man CDs aus Containern.
Übrigens schließen wir uns der Sammelaufforderung an: Bring eure CDs  mit zu den nächsten Ewigkeitsbüros, wir reichen sie dann an die RWTH weiter. Denn es stellt sich heraus, dass man für eine Hausfassade eine Menge von CDs braucht, die aufeinandergelegt einen Turm von 44 Metern Höhe ergeben würde.


Die Anforderungen sind dabei speziell: Die Datenträger müssen auf einmal statische Anforderungen erfüllen, Vogelkot abkönnen, Regenwasser abperlen lassen und hohen Druck aushalten.
Philipp fragt, ob die CDs bestimmte Qualitätsanforderungen erfüllen müssten, oder ob man einfach jede nehmen können. Die Antwort war eindeutig: "Wir nehmen auch ABBA".

Fußballstadien zu Niedrig-Energie-Häusern
Für Innenmaterialien ruhen die Hoffnungen zur Zeit auf Alemannia Aachen, die im Moment ja eh schon schwer unter der Last der Erwartungen trägt. Aber genau um die Trägerqualitäten geht es: Denn die Träger vom alten Tivoli würden wunderbare Küchenzeilen oder Fußböden ergeben. Probleme mit der Statik gäb´s da nicht, aber auch hier tun sich unerwartete Klippen auf: Sie müssten erst auf schädliche Chemikalien überprüft werden.
Wir jedenfalls finden das Programm "Fußballstadien zu Niedrig-Energie-Häusern" großartig. Und dass die Alemannia eh ganz vorn dabei ist,  wenn es ums Recylcen geht, beweist sie hier.

Und auch auf die Photovoltaik-Frage vom letzten Ewigkeitsbüro gibt es eine Antwort: die hocheffizienten Anlagen haben hochschadstoffbelastete Produktionverfahren, deshalb habe man sich für eine weniger effektive, aber umweltfreundlichere Lösung entschieden. Es gäbe aber auch "organische Solarzellen" (zunächst war die Rede von einer Ziege auf dem Dach, aber ich glaube, das war ein Missverständnis), die  umwelt- und klimaneutral seien, leider aber am wenigsten effizient. - Die Photovoltaik-Experten des Teams waren leider nicht mit dabei, wir hoffen auf spätere weitere Auskünfte.

Aachen oder Madrid, egal, Hauptsache Italien
Es wird schnell klar, dass das Counter-Entropy-Haus der ideale Aufführungsraum für "Ein Jahr für die Ewigkeit" wäre, denn wenn das Vorhaben der Studenten gelingt, erfüllt er alle Anforderungen, die wir ursprünglich an unseren Bühnenraum formuliert haben. Und alle Fragen, die wir an den Raum stellten, tauchen auch beim Hausbau auf: Wie einen Raum beleuchten, wie beheizen, wie lüften, wie gestalten und aus welchen Materialen, um den selbstauferlegten Anspruch einzulösen? (Nur dass die CounterEntropisten, gefördert durch das Bundesinisterium für Wirtschaft und Technolgie und gepowert mit dem ganzen Know-How der RWTH natürlich ganz andere finanzielle  und fachspezifische Möglichkeiten hat als wir).

Prompt laden uns die CounterEntropisten ein, unser Theaterstück in Madrid aufzuführen. Ursprünglich hatten sie wohl an Sascha Waltz gedacht, aber inhaltlich passen wir natürlich wie die Faust in die Magengrube. Natürlich machen wir das sofort, die Gelegenheit, in einem wirklich von vorne bis hinten klimaneutralen Raum aufzuführen, können wir uns ja gar nicht entgehen lassen, wir bestehen aber darauf, es nur tun zu können, wenn wir mit dem Rad nach Spanien fahren, und klar ist auch: ganz so billig wie Sascha Waltz sind wir natürlich nicht.
Wir werden sehen, und wir werden berichten.


Und die CouterEntropen werden uns auf dem Laufenden halten: Im Ewigkeitsbüro im Februar oder März werden sie einen Zwischenbericht geben, wie weit sie mit ihrem Haus fortgeschritten sind. Wir sind gespannt.

Tipp des Tages No.8

Beim Auto ist der Schadstoffausstoß ab 30 Sekunden Leerlauf größer als der, der durch einen Neustart entsteht. Bei längeren Wartezeiten sollte man also den Motor auszuschalten!

Sonntag, 23. Oktober 2011

Tipp der Woche

Zu einer Öko- oder Ethikbank wechseln! Wenn man sein Geld bei einer solchen Bank anlegt, kann man gewiss sein, dass sein Geld in ökologische oder soziale Projekte investiert wird (wir haben schon darüber berichtet)Mach deshalb mit bei unserem CASHMOB am 30. November, an dem eine Gruppe von Aachenern gemeinsam ihre bisherigen Konten kündigt und zu einer Öko- oder Ethikbank wechselt! Wenn du auch mitmachen oder uns von deinem Wechsel berichten willst, schreib uns eine Mail an: aua@mail.aachen.de.

Freitag, 21. Oktober 2011

Tipp des Tages No.7

Unsere Devise lautet, auf alle unnötigen Verpackungen und vor allem Plastikverpackungen zu verzichten. Und gerade hier lohnt es sich, erfinderisch zu sein. Überflüssige Verpackungen lassen sich zum Beispiel vermeiden, indem man Käse, Fleisch, Wurst, Fisch, Oliven etc. an einer Theke kauft und nicht schon abgepackt. Um dann noch den zahlreichen Folien und Tütchen zu entgehen, kann man selber eine Käse- oder Wurstdose mitbringen. Nur Mut!

Donnerstag, 20. Oktober 2011

Tipp des Tages No.6

Die Massenhaltung von Rindern und die weiteren Schritte bis zum Verkauf von Rindfleisch verursachen in Deutschland 15 % der jährlichen CO2-Emission. Um ein Kilogramm Rindfleisch zu produzieren, werden 13 kg CO2 frei gesetzt; das sind jährlich in Deutschland insgesamt ca. 130 Millionen Tonnen CO2!

Diese gigantischen Mengen können nur dadurch reduziert werden, in dem wir den Konsum von Rindfleisch drastisch senken!
Das Problem liegt wohl in erster Linie im unbewussten Konsum. Man muss sich nur einmal überlegen, wie viele Leute täglich nebenbei zwei, drei Ein-Euro-Burger bei McDonalds bestellen oder wie viele Döner gegessen werden. Und das alles ist aus Rindfleisch!

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Tipp des Tages No.5

Im Internet kann man sich ein Klimakonto anlegen, zum Beispiel unter www.ecogood.de. Hier kann man einerseits seinen persönlichen CO2-Fußabdruck berechnen, andererseits gibt es eine Menge CO2-Spartipps, die man als seine To-Do-Liste speichern, dann abarbeiten und schließlich auf dem Konto mitverfolgen kann, wie viel CO2 man eingespart hat.
Firmen können auf www.atmosfair.de die CO2-Emission einer ihrer Veranstaltungen berechnen und diese mithilfe von Spenden an Klimaschutzprojekte „kompensieren“. Als Privatperson kann man aber auch seine Flüge, Kreuzfahrten, Autofahrten und so weiter, mittels Spenden kompensieren.

Dienstag, 18. Oktober 2011

Ewigkeitsbüro II: Sexy sein und billig leben - HartzIV im Öko-Test

Überraschende Bestätigung der These, dass biologische Ernährung nicht teurer ist als konventionelle: Philipp und Kolja berichteten von ihren Erfahrungen bei der Umstellung auf eine ökologische Lebeweise.

Wollt ihr den totalen Aldi?
Philipp sei mittlerweile sehr involviert und interessiert, aber noch weit davon entfernt, ein "totaler Öko" zu werden, sondern wolle  nach wie vor einfach günstig einkaufen - noch schlägt also, ach, sein Aldi-Herz in seiner Brust. Er hätte jetzt aber festgestellt, dass es sehr wohl gleichzeitig möglich sei, mehr auf seine Umwelt-Bilanz zu achten und trotzdem nicht zu viel auszugeben. 
Das wäre eine überraschende Bestätigung meiner These, dass es nicht teurer ist, sich biologisch zu ernähren, sondern dass es auf dem selben Preisniveau geht, wenn man weiß, wo und wie man in Aachen kauft.



Philipp führt aus, dass das Kostenlevel beim Umstellung auf biologische Ernährung vor allem durch relativ simple Umstellungen der Lebensweise zu halten sei, indem man zum Beispiel Autofahren vermeidet. Wie bei allen Selbstversuchen, wie  denen von Colin Beavan, Leo Hickmann oder John Webster, wird die Partnerin nolens volens mit hineingezogen (Danielas Mann sagte kürzlich, er wolle "umbesetzt" werden) und es kommt zu Konflikten; Philipp erzählt von seinen Versuchen, seiner Partnerin zuhause Bioprodukte "unterzujubeln", was aber natürlich immer sofort auffliegt.  Aber: Die Mehrkosten für Bio würde er einfach dadurch auffangen, dass sie jetzt viel weniger Nahrung wegschmeißen, indem sie das Menü sehr vereinfacht hätten: Bisher hätten sie beim Frühstück immer eine große Auswahl gehabt, so dass viel von dem Geöffneten schlecht wurde und weggeschmissen wurde, jetzt hätten sie einfach die Auswahl eingeschränkt, dafür aber qualitativ höherwertiges Essen.
Außerdem ginge es vor allem um Kleinigkeiten. So würde er jetzt keine Cola mehr trinken, dafür aber Bio-Schweinefleisch kaufen - kostenneutral.

Bio ist Low-Cost
Kolja bestätigt die Low-Cost-These, als er von seiner Selbstverpflichtung berichtet, sich einen Monat auf der Basis eines Hartz-IV-Satzes  ökologisch und plastikfrei zu ernähren: Es geht, stellt er fest, indem sich die Prioritäten verschieben. Er bekomme nicht mehr die gleiche Menge an Nahrung, aber das, was er isst, sei qualitativ gut. Und er erzählt von einer rigiden Auswahl. Er verzichtet auf Brot, Butter und Käse (unter Klima-Gesichtspunkten ist das vorbildhaft, schließlich haben Butter und Käse, genau wie Rindfleisch, eine schlechtere CO2-Bilanz als Autofahren, wegen der ungeheuren Mengen Methan, die Kühe weltweit in die Atmosphäre äh blasen).
Kolja ernährt sich jetzt monogam: Statt morgens Müsli oder Brot zu essen, kocht er jeweils ein Essen für einen Tag, d.h., wenn er  Kartoffeln macht, gibt es morgens, mittags und abends Kartoffeln.  Abwechslung gäbe es aber schon, denn an manchen Tagen koche er auch Reis. 

Wir sorgen uns um seine Ernährung.

Außerdem muss man das Experiment wohl  als gescheitert ansehen, wenn das Ergebnis ist: Man kann sich auch auf Hartz-Iv-Niveau biologisch ernähren, indem man einfach nur noch Kartoffeln und Reis isst.

So unter Druck gesetzt, räumt Kolja ein, gelegentlich auch Zucchini zu essen. Na dann.

Last Exit "Ernährung nach Portemonnaie"
Später am Abend lade ich ihn im Last Exit zu einer halben Kürbissuppe ein (die Küche hatte schon zu, und mehr war nicht mehr da). Zunächst zieht er sich einen entsprechenden Geldbetrag von seinem Monatsgeld ab (Hartz-IV-Empfänger müssen Essenseinladungen angeben und kriegen sie abgezogen), aber nach einigem Zureden lässt er davon ab. Etwas Menschlichkeit muss gewahrt bleiben, wir sind hier ja nicht auf dem Arbeitsamt .

Heute morgen hat er im LastExit von mir ein außerdem ein Rührei mit Speck (wirklich lecker und empfehlenswert, allerdings ist der Speck eher nicht bio, Julia nennt das "Zellulose mit Antibiotika") bekommen, und 2 Salatblätter habe ich da auch dran gesehen. Allerdings war die Einladung nicht aus der Sorge um seine Ernährung geschuldet, sondern Dank und Entschuldigung für einen Arbeitseinsatz zu nachtschlafender Zeit, um das Image-Foto für "Ein Jahr für die Ewigkeit" zu schießen, bevor wir gefrühstückt hatten.

Als Zwischenergebnis können wir also festhalten: Man kann sich auf Hartz-IV-Niveau biologisch ernähren, wenn man auf eine KartoffelnReisGemüse-Diät setzt und ab und an Freunde hat, die einen ins Last Exit einladen.

Mujahee. Wir arbeiten dran.


Shifting Baselines I: Zunehmende Radikalisierung
Schwierigkeiten, berichtet Kolja, mache ihm die Umstellung jedenfalls nicht. Er hätte öfter schon für begrenzte Zeiträume  Ernährungsexperimente gemacht, bei Reise in Indien oder Südamerika, wo er vegetarisch gelebt hätte (wer schon mal in Südamerika war, wo morgensmittagsabends Fleisch gegessen wird, weiß, was das heißt - wer drauf verzichtet, stößt auf ungefähr so viel Verständnis wie bei uns Frutarier ). Außerdem habe er auch in Deutschland schon öfter "Ernährung nach Portmonnaie" betrieben. Kolja begreift dabei die Umstellung nicht als Verzicht, sondern als Bereicherung, weil man sähe, was man alles nicht brauche.

Aber eins stellt er klar: Nach Ablauf des Monats werde der Käse zurückkommen!

Allerdings plant er vorher erst einmal die eigene Radikalisierung: Noch habe er Besuch, deshalb habe er den Kühlschrank noch nicht ausgeschaltet, aber nächste Woche sei das auch noch dran.

Milk on Demand, oder: Der Kühlschrank der Anderen
Kathrin wendet einen Tag später ein, dass, wer den Kühlschrank abschalte, in Wirklichkeit einfach den Kühlschrank der anderen benutze, in einer Art umgekehrten Lagerkette (nennen wir das das Aldi-Invers-Prinzip). Denn: Wenn man für jede Flasche Milch einzeln zum Bioladen seiner Wahl gehe, nutze man einfach deren Kühltruhe und spare überhaupt nichts.

Kluger Einwand. Is aber auch ein Leid, diese ganze Bilanzierungs-Kacke. Das entspricht dann dem On-Demand-Lieferung-System großer Unternehmen, und gekühlt wird meine Milch dann auf der Autobahn.

Kolja gibt sich aber so leicht nicht geschlagen und kontert, jetzt werde es ja kalt, und da brauche er überhaupt weder Kühlschrank noch -theke, sondern nutze einfach die Außentemperatur.

1:0  für die Radikalen.

Auch Daniela berichtet von ihren Versuchen. So hätten sie in der Familie sämtliche Stadtfahrten mit dem Auto abgeschafft. Manchmal zum Leidwesen der Kinder, die zu Schulen oder Vereinen gefahren werden müssen. Die Folge sei ein erhöhter Planungsbedarf.
Ihr Bericht erinnert aber an John Websters "All we had left was: time", denn Daniela berichtet von einer Verbesserung der Lebensqualität; so habe sie sich mit ihren Sohn nie unterhalten, wenn sie ihn im Auto abgeholt habe, weil sie auf den Verkehr konzentriert gewesen sei. Jetzt, wo sie ihn nicht mehr mit dem Auto abholen, sei das 20 Minuten mehr täglich "aktive Zeit", weil sie sich unterhielten,  sich austauschten.



Hedo oder Nismus? - Ihr persönlicher Öko-Ratgeber
Inzwischen geben wir auch hemmungslos Ratschläge zum Öko-Verhalten, gefragt und ungefragt. Man wird so, glaubt uns, man wird so. Benedikt zum Beispiel erzählt den Klassiker: Er steht vorm Regal und will Bio-Äpfel kaufen, sieht dann aber, dass die aus Neuseeland kommen und fragt: Soll er dann doch lieber zu den konventionellen aus dem Alten Land greifen.
Ehe er sich in Sicherheit bringen kann, überschütte ich ihn mit den gesammelten Ergebnissen desFreiburger Öko-Institutes. Eine viertel Stunde später sieht er erschöpft aus und ist, glaube ich, so weit, nach Mai stet nur noch Neuseeländische  Äpfel zu kaufen oder trotz aller Klimabilanz-Bedenken regional und saisonal zu kaufen.

Ganz geschlagen gibt er sich aber noch nicht: Die Frage sei ja jedesmal wieder: Esse ich politisch korrekt, oder wie´s mir schmeckt, oder wie´s gesund ist. Aber so kann man uns natürlich schon lange nicht mehr kommen: Das ist natürlich glücklicherweise alles dasselbe. Bio schmeckt einfach besser, wer´s bezweifelt, kaufe einfach mal Biofleisch, da kann man wunderbar feststellen, wie weit die eigenen Baselines seit den 70ern geshiftet sein müssen, um das, was heute im Supermarkt an Antibiotika-H2O-Pampe verkauft wird, als Steak zu akzeptieren.

(Am nächsten Morgen berichte ich Philipp, dass ich Biowurst hätte kaufen wollen, aber da ich jetzt ja weiß, dass die 3-Euro-pro-Hundert-Gramm-Rindersalami eine verheerende CO2-Bilanz hätte, habe ich zur 6-Euro-pro-Hundert-Gramm-Lammsalami gegriffen. Die schmeckt super, aber zusammen mit den 2 großen Stücken Käse, die meine gerade geleistete Heldentat gleich wieder einebneten, bin ich 18 Euro losgeworden und habe dann schon geschluckt. Dieser Bericht hat mir ein hämisches "Nicht wahr, Harald, Bio is gar nicht teurer, und schmeckt ja auch viel besser, was!?" eingetragen.) 


Eine weitere Frage, die unsere Gäste umtreibt, ist die nach der richtigen Bank: Wo sein Geld anlegen? Wir stellen kurz die Ehtik- und Öko-Banken vor und schlagen vor, beim CAHSMOB  mitzumachen, d.h., am 30.11. zu seiner Bank zu gehen und alles Geld auf einen Schlag auf ein neues Girokonto z.B. bei der GLS-Bank zu überweisen. Jetzt sind wir schon zu acht, das unmittelbare Ziel wäre, 50 Aachener am 30.11. um 17 Uhr vor der Postbank zu versammeln, reinzugehen und die Überweiseungen auszufüllen.  

Leo fragt nach den blinden Flecken der Öko-Bewegung, insbesondere bei den Herstellungsbedingungen von Solarzellen, und ob sich angesichts der dabei aufgewendeten Energie die Anschaffung unter Klimagesichtspunkten lohne.
Ich zitiere an dieser Stelle  Mark Terkessidis: Wir können in der gegenwärtigen Situation nur Fehler machen, der größte wäre es, es gar nicht erst zu versuchen. Denn solche Einwände  liefern mitunter die Rechtfertigung dafür, untätig zu bleiben, obwohl Handeln geboten wäre.
Daniela, die besonders solche - tatsächlichen oder unterstellten - Widersprüche  interessieren, führt nochmal kurz aus, was das Projekt leisten kann, und was auch nicht. Wir stellen die Frage nach dem persönlichen konkreten Verhalten: Was kann ich auf einer persönlichen Ebene machen, womit konfrontiere ich mich, was kann ich tun? Für wissenschaftliche Untersuchungen sei eher die RWTH zuständig.
Inhaltlich müssen wir zunächst passen, aber bei einer der nächsten Ewigkeitsbüros werden Architekturstudenten, die ein klimaneutrales Haus planen, über solche Herstellungsprobleme bei den Materialen berichten (Termin folgt).

Philipp greift das Thema indirekt auf, er ist inzwischen ein  Auto-Experte und hat intensiv zur Frage der alternativen Antriebe recherchiert. Das Problem sei, so die überraschende These, dass die CO2-Bilanz von Elektro- oder Hybridmotoren genauso schlecht sei wie die der Otto-Motoren, wenn man die Produktion der Akkus, die Notwendigkeit von Akkuwechseln, die Herstellungsprobleme und Giftstoffe bei der Produktion mit einrechne. Es sei dasselbe wie bei Energiesparlampen.

Bettina bittet um eine Klimaberatung bittet liefert den Satz des Abends, indem sie sich vorstellt mit: Sie sei totaler Durschnitt, sie würde ausschließlich Bio-Produkte kaufen. Wir kippen vor Lachen vom Stuhl, und blicken in ein erstauntes Gesicht. - Ich verstehe das aber sehr gut, man vergisst irgendwann, dass es auch noch andere Menschen gibt, solche etwa, die sich von Aldi ernähren, und ist dann ganz erstaunt, solche Exoten tatsächlich in freie Wildbahn anzutreffen.

Sie sind aber behandelbar. Philipp berichtet davon, sich anfangs von Lustprinzip geleitet haben zu lassen, mit dem Ziel, schnell und einfach Mahlzeiten herzustellen. Dann sei der Punkt des Nachdenkens gekommen, und ab da gäbe es keinen Schritt mehr zurück.  Denn in jeder Kaufentscheidung drücke sich, ob bewußt oder nicht, auch eine Lebenshaltung aus.


Shifting Baselines II: No one here get´s out alive
Bei der Umstellung der Lebensweise hilft natürlich die Gehirnwäsche, die mit diesem Projekt verbunden ist, ungemein (die ich mit diesem vorsätzlich tendenziösen Protokoll natürlich noch verstärke): Man werde, meint Philipp, mit jeder Handlung sofort konfrontiert, man könne keine Bemerkung wie "Bei uns gab´s lecker Steak" mehr einfach fallenlassen. Alles werde sofort in Frage gestellt, und er sei oft der, der bisher von allen Projektbeteiligten am wenigsten umweltbewusst  gehandelt habe, deshalb bekomme er am meisten ab. Und offenbar hat´s funktioniert, denn er habe kürzlich einen seiner Kumpel mit Plastikflaschen angetroffen und ihn in ein Gespräch über Bisphenol-A und Weichmacher verwickelt. Ich gebe zu Bedenken, dass es klassisches Opferverhalten ist, erlittene Misshandlungen an Dritte weiterzugeben.

Philipp weist aber auch auf die zwangsläufigen Widersprüche hin: Selbst Julia, die inzwischen zu einer Art philippinisches Öko-Gewissen mutiert ist, sei nicht konsequent, schließlich fahre sie immer noch Auto, hätte ein iPhone und ihren Kühlschrank ja immer noch nicht abgeschaltet.

Ich gestatte mir den zarten Hinweis, wie weit sich die Maßstäbe seit Probenbeginn schon verschoben haben, wenn inzwischen in Nebensätzen das Abschalten von Kühlschränken völlig selbstverständlich erscheint und als diskussionsunwürdig vorausgesetzt wird, als mache man das halt so.

Machen wir und nichts vor: Noch vor 6 Wochen hätten wir das komplett durchgeknallt gefunden, und das zeigt nur, dass wir bald soweit sind, alle in den Wald zu ziehen und in Baumhäusern zu leben, wenn uns die Kollegen nicht rechtzeitig rausholen (oder die Premiere kommt und danach was völlig anderes, wie, sagen wir, "Konfetti" oder "Die Katze auf dem heißen Blechdach" - womit das Theater nicht nur die Welt, sondern auch uns retten würde - danke, Spielplan).

Nein, ich bin in Wirklichkeit fest überzeugt: No one here get´s out alive, oder wenn, dann nur als Freak.

Shifting Baselines III: Die Macht der Gewohnheit und der schauspielerischer Leitfaden zur Verbesserung der Welt
Anke hält ein Plädoyer für kleine Schritte. Denn man habe ja früher einmal Grundsatzentscheidungen über Konsumverhalten getroffen. Der nächste Schritt sei, ins Nachdenken zu kommen, eine neue Entscheidung zu treffen, sich dann dran zu gewöhnen und dann nicht mehr drüber nachzudenken. So würde es Gewohnheit und man käme nicht mehr raus. Klassische Umerziehung eben.

Philipp spricht unter Rekurs auf eine alte Schauspielschul-Theorie über denselben Vierschritt von der unbewussten Inkompetenz über die bewußte Inkompetenz zur bewußten Kompetenz und schließlich zur unbewußten Kompetenz, und nennt das den "Schauspielerischer Leitfaden zur Verbesserung der Welt".

Hermann weist auf Herbert Gruhl und dessen Buch  "Ein Planetwird geplündert" hin, das von manchem Grünen als GRünbdungsdokument seiner Partei begriffen wurde.  

Jan bittet um die letzte Runde und beschließt das Ewigkeitsbüro mit der Bemerkung, er würde jetzt zu McDonalds gehen.